Mein schlechtes Gewissen

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Co-Autor Beitrag

Das schlechte Gewissen

Sagen wir, ich heiße Mona. Ich würde mich wohler fühlen, anonym zu bleiben.
Ich bin 34 Jahre alt und habe 2 Kinder. Mein Mann und ich sind seit 6 Jahren verheiratet. Grundsätzlich kann ich wirklich behaupten, dass ich sehr zufrieden mit meinen Leben bin. Es wäre aber noch schöner, wenn dieser ständige Leistungsdruck nicht so enorm auf mir lasten würde.
Ich kann nichts für mich tun, ohne schlechten Gewissen. Das beginnt bei so banalen Sachen, wie krank sein. Wenn ich länger als einen Tag auf dem Sofa vegetiere, den Kindern den Fernseher von früh bis spät laufen lasse und Essen bestelle, kommt es über mich wie eine dicke fette Wolke. In solchen Situationen kann ich den Mom Guilt aber gut „wegreden“. Wenn meine beste Freundin mich anrufen würde und mir dieses Szenario als ihres Beschreiben würde, wäre ich wahrscheinlich die Erste, die ihr sagen würde, dass sie verrückt ist. Sie ist nun mal krank und das ist eine Ausnahme, kein großes Ding! Wieso denke ich dann bei mir selbst so kritisch? Nervig!

Schlimmer wird es aber, wenn das Umfeld beginnt, Druck auszuüben. Mein arbeitet im Schichtdienst. Das stört mich grundsätzlich nicht. Es ist aber doch eine Herausforderung seine Dienstzeiten mit meinen zu Koordinieren und alles unter einen Hut zu bekommen. Doch irgendwie schaffen wir es Woche für Woche. Einzig meine Familie übt unheimlichen Druck auf uns aus. Ständig sollen wir auf Besuch kommen. Wenn wir einmal 2–3 Wochen keine Zeit haben kommen immer merkwürdige Aussagen und es ist sogar schon einmal so eskaliert, dass wir uns ein halbes Jahr gar nicht mehr blicken haben lassen.

Ich finde es einfach gemein. Jeder tut so, als würde man absichtlich viel zu tun haben. Wenn ich aber mal aufzähle, was von meiner Familie und mir erwartet oder geleistet wird, wundert mich nicht, wieso mich das stresst!
Wir sollen natürlich arbeiten gehen, damit das Geld reicht. Einen sauberen und geordneten Haushalt führen. Einmal täglich frisch kochen, am besten aber zweimal und das mit Produkten vom Bio-Bauern aus der Nähe. Sport soll man mindestens 3 Stunden pro Woche betreiben, man will ja attraktiv und aktiv bleiben. Ein Hobby sollte man ebenfalls haben, genauso ein paar Stunden für Freunde. Zeit zu zweit darf man nicht vergessen, denn jede Beziehung braucht Pflege und Aufmerksamkeit. Die Familie will den Nachwuchs regelmäßig sehen. Bei uns sind das 3 Großeltern, ein Urgroßvater, 2 Tanten und 3 Onkeln. „Me-Time“ ist aber auch super wichtig, also sollte man ein paar Stunden in der Woche für sich selbst nehmen. Jetzt darf man nur nicht vergessen, 3 Liter pro Tag zu trinken und 8 Stunden zu schlafen. Das alles nebenbei, denn man arbeitet ja und die Kinder sollten sowieso die meiste Aufmerksamkeit bekommen.
Ich bin allein vom Zusammenfassen müde!
Wenn man einige dieser Punkte nicht erfüllt, wird das wahrscheinlich keinen großen Einfluss auf das Wohlbefinden machen. Sport und ein Hobby braucht man nicht unbedingt. Me-Time und Zeit zu Zweit fallen erst nach Monaten der Abstinenz auf und die Familie soll mal warten.
Es gibt aber Dinge, die für mich sehr wohl Einfluss auf mein Wohlbefinden haben. Zum Beispiel die Karriere. Wenn ich zu viel arbeite, und manchmal muss ich das leider, überkommt mich ein unfassbar schlechtes Gewissen, weil ich zu wenig Zeit für meine Kinder habe. Der Haushalt bleibt dann überwiegend liegen und der Lurch unterm Sofa wird unser Begleiter. Gekocht wird dann auch nicht mehr wirklich, fehlt mir doch einfach die Zeit und die Energie.
Manchmal sitze ich an solchen Tagen dann einfach neben meinen Kindern am Teppich und schaue ihnen beim Spielen zu. Geplagt vom schlechten Gewissen, weil ich den ganzen Tag nicht bei ihnen war. Allein diese Zeilen zu schreiben, fühlt sich an als wäre ich die schlimmste Mutter der Welt. Ich kann doch nicht die Einzige sein, der es so geht? Ich bin fest davon überzeugt, dieses Gefühl kommt von meiner bedingungslosen Liebe zu ihnen. Vielleicht weil ich nur das Beste für sie will, aber im Moment kann ich das nicht erreichen und deswegen fühle ich mich schlecht. Das gibt mir zumindest ein wenig Trost.

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